Der Japanische Garten und sein Vorbild



Eine erstaunliche Entdeckung waren für mich die Feuersteinfelder auf Rügen. Man glaubt in einem japanischen Garten zu sein, mit dem Unterschied, dass diese "Gestaltung" schon 4.000 Jahre alt ist und nicht von Menschenhand geschaffen wurde!


Ich war vor einigen Wochen zum ersten Mal auf der Insel Rügen. Es gibt hier sehr viel beeindruckende Natur zu sehen und ein besonderes Erlebnis war der Naturschutzpark Schmale Heide mit seinen 40 Hektar großen Feuersteinfeldern die sich als schmaler Streifen hinter Prosa in der Nähe von Mukran erstrecken. Diese geologische Besonderheit hat sich vor tausenden von Jahren nach schweren Sturmfluten gebildet. Das Millionen Jahre alte Gestein wurde zu Wällen zusammengeschoben, die 1 Meter in die Tiefe gehen. Man findet hier vorwiegend Feuersteine mit Fossilien und Abdrücken von Muscheln und Lebewesen der Jura- und Kreidezeit. Aber Achtung: Man darf keine Steine sammeln, denn man befindet sich in einem Naturschutzgebiet. Man kann hier aber Stunden verbringen und Steine betrachten. 

Dieser faszinierende Ort entführt in eine Landschaft, die man nur aus gestalteten japanischen Gärten kennt. Aus diesem Grunde kann man beim Betreten dieser Felder kaum fassen was man hier sieht. Man hat den Eindruck in einer Wasserlandschaft aus Stein zu stehen. Inseln aus Flechten, Moosen, Heidekraut, Schlehdorn und Wacholder ragen aus diesem Steinmeer heraus und besitzen einen meditativen Charakter wie die Gärten in Kyoto. Was man hier sieht, wurde nicht vom Menschen so geformt, sondern hat sich ungehindert mit der Zeit selbst erschaffen.

Das Konzept des trockenen Wassers ist hier in Perfektion zu sehen. Im Zen-Garten ist ein Stein nicht bloß ein Stein, sondern der Ankerpunkt für unsere Gedanken, deren ständiger Fluss hier zum Schweigen gebracht werden soll. Ein Zen-Meister beschreibt ein solches Konzept, die Kiesfläche als "trockenes Wasser" sehr treffend: 

"Eine wirkliche Wasserfläche in einem Garten ist einfach nur ein Tümpel, während trockenes Wasser den Geist eines Ozeans widerspiegelt".


Trockenes Wasser



Der japanische Garten ist ein intellektueller Garten, bei dem Gestaltungselemente und Pflanzen sich zu einem gedanklichen Konstrukt verdichten. In der Reduktion und gedanklichen Abstrahierung liegt die verborgene Kraft so einer kunstvollen Landschaft. In der japanischen Kultur wird versucht, das Unmögliche zu vereinen. Den menschlichen Geist, seinen Sinn für Ästhetik und die Natur, so wie sie sie sich selbst hervor bringt.

Dieses Feuersteinfeld ist eine Laune der Natur, die man als Gartenbegeisterter als Vorbild nehmen kann. Nichts folgt den Regeln der menschlichen Gestaltung und trotzdem hat man das Gefühl der Vollkommenheit und Harmonie die sich hier manifestiert.

Egal aus welchem Blickwinkel man hier die Felder betrachtet, sie öffnen immer wieder neue Sichtachsen und Panoramen. 

Sollten Sie einmal in Rügen verweilen, dann lassen sie sich dieses Naturschauspiel nicht entgehen!


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