Museum Insel Hombroich


Eine große Überraschung bietet diese Anlage in der Nähe von Neuss, die Kunst und Natur auf das Vortrefflichste vereint. Für mich als Feng Shui Beraterin war dieser Besuch ein besonders Erlebnis, da ich zum ersten Mal einen Garten gesehen habe, der das Konzept des chinesischen Gartens so perfekt umsetzt. 



Stilistisch hat Hombroich nicht viel mit einem chinesischen Garten zu tun, dennoch sind die Grundregeln und der Grundgedanke davon perfekt umgesetzt. Ein ganz wichtiger Aspekt des chinesischen Gartens ist die Harmonie zwischen Wasser, Pflanzen, Felsen und Architektur. Genau diese Harmonie kann man in Hombroich überall spüren.

Schon der kleine Abstieg ins Gelände beschert dem Besucher einen idyllischen Überblick auf den Garten, der wie unberührte Natur aussieht. 

© Thomas Seubert
© Thomas Seubert

Beschreitet man den Weg vorbei an einem natürlichen Teich erblickt man ein schmuckloses Gebäude aus Backsteinen, ein Kubus, der in dieser naturbelassenen Landschaft einen Kontrapunkt setzt, der magisch anzieht. Hier ist ein menschliches Zeichen gesetzt das bewusst zu einem Dialog mit der Natur auffordert. In diesem Gebäude gibt es 4 Türen aus Glas die auf Kardinalachsen gesetzt sind, so dass sie in vier Himmelsrichtungen zeigen und gleichzeitig den Blick auf das Grün außen frei geben. Betritt man den Raum taucht man in weißes, makelloses Licht ein, man hört nur den Schall den man selbst generiert, die Natur ist nur noch als Bild wahrnehmbar, man ist scheinbar weit weg von dem was man noch vor wenigen Sekunden an Geräuschen wahrgenommen hat. Dieser Raum lässt den Blick nach Draußen frei, ist innen aber leer, kühl, hell und leise. So wird die Aufmerksamkeit vom Außen nach unserem Inneren gelenkt. 

© Thomas Seubert
© Thomas Seubert

Dieser Kubus ist ein Ort der zur Introspektive einlädt. Hier erfährt man den Kontrast von Yin und Yang, die pulsierende Natur wird von der Leere abgelöst, der Mensch löst sich von der Natur, um sich der Betrachtung hinzugeben. Von Draußen nach Drinnen, von der Realität zum Gedanken. In der chinesischen Stadt Suzhou befindet sich ein Garten, der als „Garten des bescheidenen Beamten“ berühmt ist. Hier gibt es einen Pavillion in dem man wie in Hombroich in 4 Himmelsrichtungen blicken kann. Hier stehen die 4 Öffnungen auch für die 4 Jahreszeiten. Jede Richtung gibt den Blick auf einen Ausschnitt des Gartens frei, der in einer entsprechenden Jahreszeit besonders schön ist. Im Herbst blickt man z.B. auf einen gefärbten Ahorn, im Frühling auf eine blühende Kirsche. Auch hier löst sich der Mensch von der Natur, um im Pavillion über die Vergänglichkeit des Seins und dem Wandel der Natur zu meditieren. In Hombroich kann man dieses Gebäude in vier Richtungen verlassen und dem Weg entlang der Erft folgen. 

© Thomas Seubert
© Thomas Seubert

Die Wege sind wie in chinesischen Gärten so angelegt, dass man immer wieder andere Perspektiven des Gartens wahrnimmt, jede Biegung und jede Abzweigung eröffnet neue Szenarien. Man schreitet durch offene Wiesen und schattige Wäldchen, durch enge Pfade und breite Wege. Immer wieder stößt man auf Bereiche des Gartens wo man die Hand des Menschen durch den Formschnitt der Hecken wahrnimmt und im Gegensatz dazu die Wildnis wie die Natur sie alleine generieren kann. Yin und Yang sind allgegenwärtig und stark zu spüren. Und immer wieder taucht hinter einer Biegung ein Backsteingebäude auf, das die Weite der Natur durch die Grenzen des Innenraums erst wirklich zur Geltung bringt. Die Kunst die man in den geschlossenen Räumlichkeiten vorfindet ist der Beweis, dass Mensch und Natur in Harmonie existieren können. Das Bindeglied oder die Brücke stellt unser Intellekt dar. Genauso wie die Brücken über die Wasserläufe die Natur mit der Architektur verbinden. Hier spürt man ganz deutlich, dass der Mensch mit der Natur im Einklang ist. 

Wie schon erwähnt, hat jeder chinesische Garten ein Thema.

Im botanischen Garten in Bochum befindet sich ein kleiner sehr schöner chinesischer Garten mit der Geschichte vom Pfirsichblütenquell als Thema. In dieser Geschichte geht es um einen Fischer der mit seinem Boot einen Fluss entlangfährt bis er zur Quelle gelangt wo sich ein Pfirsichhain befindet. Er entdeckt eine Felsspalte und geht durch sie hindurch. Auf der anderen Seite entdeckt er ein Paradies 


© Thomas Seubert
© Thomas Seubert

das von einem friedvollen Volk bewohnt wird, das sich vor langer Zeit hier zurückgezogen hat, um in Frieden leben zu können. Man bittet ihn das Geheimnis dieses Ortes nicht Preis zu geben, dennoch erzählt der Fischer bei seiner Rückkehr von seinem Abenteuer. Trotz aller Bemühungen diesen Ort wiederzufinden, bleibt das Land des Pfirsichblütenquells unauffindbar. Diese Geschichte könnte man genauso nach Hombroich transportieren. Hier befinden sich Obsthaine wie man sie sich im Paradies vorstellt. Alte Bäume deren Äste sich von der Last der Früchte biegen. Man fühlt sich wie im Garten Eden, voller süßer Früchte die einem entgegenfallen. Hier wachsen Mispeln, Quitten, Äpfel, Kirschen, Birnen und Kastanien. Die Wiesen sind voller Wildkräuter und es gibt viele Tiere die man beobachten kann. Ein idealer Ort, um die Kraft der Natur und der Kunst zu verspüren. Besonders der Bereich des 200 Jahre alten Gartens, der damals vom Gartenarchitekten Maximilian Friedrich Weyhe gestaltet wurde ist ein Ort von besonderer Energie. Hier stehen exotische Bäume die seit Jahrhunderten leben und überall sieht man fast schon unsichtbar die gestaltende Hand von damals. Der besondere Reiz dieses Gartenbereichs liegt darin, dass die Natur sich die Gestaltung einverleibt hat und sie fast ausgelöscht hat. Trotzdem kann man an einigen Stellen noch erahnen wie es früher hier ausgesehen haben könnte. 

© Thomas Seubert
© Thomas Seubert

Man erlebt hier Zeit nicht als Abstraktion, sondern kann sie sehen und spüren. Meisterhaft wird hier von den Gärtnern der Natur die Regie überlassen, es wird nur dort eingegriffen wo es dringend nötig ist. Das ergibt den Charme dieser schönen Landschaft die von der Erft umspült wird. Die Energie dieser Insel wird vom Wasser gehalten und gespeist.

Kraftvoll ist auch der große Steinkreis am Rande einer LIchtung. Steine sind in der menschlichen Kulturgeschichte schon immer die Vermittler zwischen Natur, Himmel und Mensch gewesen. Vor tausenden von Jahren konnten die Menschen noch die Kraft eines Ortes erspüren, da sie eng mit der Natur verbunden waren. Sie konnten Kraftorte erkennen und setzten Steine darauf. Steine sind wie Akupunkturnadeln die mit der Erde Kontakt aufnehmen und Energien verändern können. Im Imperial-Feng Shui setzt man zur Harmonisierung der Energien Steine als sogenannte „Assistenten“ ein. Sie verändern ein gewisses Energiemuster oder verstärken es. Für mich steht der Steinkreis in Hombroich für die menschliche Geschichte, den Anfang der künstlerischen Schöpfung im Einklang mit der Natur.

Die Kunstgegenstände von Heute sind hier genauso in der Natur eingebettet wie damals.

Es ist nicht wichtig, ob die Künstler ihre Werke mit dieser Intention geschaffen haben, jeder Besucher darf sich hier sein eigenes Bild schaffen. Es gibt keine Erklärungen, Biografien und Künstlernamen. Es gibt nur Kunst die jeder von uns so erfassen und genießen kann wie es ihm beliebt. Aber Eines ist für mich eine Gewissheit.

 

In diesem Garten versteht man, dass  die Wahrnehmung von Yin und Yang kulturübergreifend ist. Das Höchste was der Mensch erschaffen kann ist Kunst, aber die Natur bleibt unerreichbar. Was gibt es also Schöneres, als Kunst in der Natur zu betrachten?

Wie komme ich hin?


Museum Insel Hombroich

Minkel 2 

41472 Neuss

 

http://www.inselhombroich.de

 

Öffnungszeiten 

Das Museum Insel Hombroich ist täglich geöffnet, auch montags

April bis Oktober,  10.00 Uhr – 19.00 Uhr

November bis März, 10.00 Uhr – 17.00 Uhr



Ich freue mich auf Feedback und persönliche Erlebnisse!

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