Kleine Gärten gestalten

Kleine Gärten sind durch die immer kleiner werdenden Baugrundstücke mittlerweile der Normalfall. Das ist aber kein Grund sich zu grämen, denn ob ein Garten schön ist, hängt nicht von seiner Größe ab.

Ein gutes Vorbild für einen kleinen Garten sind die chinesischen Gärten, die zeigen, dass gerade die geringe Größe ein großes Potenzial zur Entfaltung eigener Ideen darstellt. Und sie lehren uns eine grundlegende Lektion: Kein Garten funktioniert ohne ein Gestaltungskonzept, ein kleiner Garten schon gar nicht!

Zuallererst muss einem klar sein, dass man bei geringer Größe nicht alle Wünsche an einen Garten verwirklichen kann. Man kann nicht beliebig viele Funktionszonen auf engem Raum schaffen. 


Kein Garten ohne Konzept!



Ein Grillplatz mit überdachter Essecke, einen Spielplatz für die Kinder, einen Gemüsegarten und Staudenrabatten und vielleicht auch noch ein paar Obstbäume, eine Relaxzone mit großen Loungemöbeln und nicht zu vergessen einen Gartenteich, sind Wünsche, die man nicht allesamt realisieren kann und - bedenkt man den späteren Aufwand für Anlage und Pflege - auch nicht realisieren sollte. Vor der Planung eines jeden Gartens muss man sich klar werden, wozu man ihn benutzen möchte und was ein Garten für uns emotional und funktional bedeutet. 

Ohne diesen Schritt loszulegen, Rasen einzusäen und rundum eine Thujahecke als Sichtschutz anzulegen ist fast schon eine Garantie für einen unbefriedigenden, letztlich sinnlosen Garten. Und seien Sie dabei ehrlich mit sich selbst: Wie oft nutzen Sie oder Ihre Familie die typische Einheits-Rasenfläche denn tatsächlich?

Egal welche Anforderungen Sie an einen Garten stellen, einige Regeln sollten Sie in der Planung beachten. Hier die wichtigsten:

Sichtschutz

Ein effektiver Sichtschutz ist bei kleinen Gärten sinnvoll, wenn man Privatsphäre haben möchte. Aber man sollte davon Abstand nehmen, diesen mit möglichst platzsparend entlang der Grundstücksgrenzen hingequetschten Steingabionen und Thujahecken oder ähnlichem realisieren zu wollen. Statt Platz zu gewinnen, verkleinert dieser Rahmen Ihren Garten optisch massiv und hat keinen biologischen Wert. Eine gemischt gepflanzte Hecke ist attraktiver und sinnvoller.


Geliehene Natur
In der chinesischen Gartentradition ist ein Garten immer von einer Mauer umgeben. Dies symbolisiert einen geschlossenen Kosmos und zeigt, dass dieser Garten ein geschützter Raum ist. Dennoch besitzen solche Gärten ein Gefühl von Weite, weil die Bepflanzung außerhalb der Mauer ins Gestaltungskonzept mit einbezogen wird. Dadurch verschwimmen die Grenzen und der Garten wirkt größer als er ist.


Steht in Ihrer Nachbarschaft einen Baum oder große Sträucher die man von Ihrem Garten aus gut sehen kann, dann integrieren sie diese Gehölze in Ihren Pflanzplan! Das nennt man in China geliehene Natur und hebt Grenzen zwischen zwei Grundstücken optisch auf. Idealerweise sprechen Sie sich mit Ihren Nachbarn bei der Gestaltung ab und pflanzen auf beiden Seiten als Randbepflanzung verschieden höhengestaffelte Gehölze die von beiden Seiten attraktiv aussehen und einen Sichtschutz bieten. Wenn Sie nicht die Anforderung haben (wegen eines Hundes z.B.) die Grenze mit einem hohen Zaun zu schließen, dann wählen Sie am Besten einen niedrigen Zaun. So verschwimmt die eigentliche Grenze zu den Nachbarn und der Garten wirkt allein dadurch schon großzügiger. Nur der hintere Teil des Gartens, der in der Formenschule auch Schildkröte genannt wird, sollte mit einer hohen Abgrenzung in Form einer Palisade oder einem hohen Bewuchs geschlossen werden. Bitte informieren Sie sich zuvor aber über Abstandsregelungen für Gehölze.

Eine Gartengrenze bei der die Nachbarbepflanzung in die Gestaltung integriert ist.
Eine Gartengrenze bei der die Nachbarbepflanzung in die Gestaltung integriert ist.

Bevorzugen Sie einen Mix aus laubabwerfenden und immergrünen Sträuchern und Bäumen. Damit ändert Ihr Garten je nach Jahreszeit sein Aussehen und hat optisch immer etwas zu bieten. Hat der Nachbar einen immergrünen Strauch an der Grenze dann können Sie einen laubabwerfenden davor setzen, denn der Sichtschutz geht im Winter nicht verloren.

Ein Weg in Richtung Grundstücksgrenze suggeriert, dass der Garten hinter der Kiefer weitergeht.
Ein Weg in Richtung Grundstücksgrenze suggeriert, dass der Garten hinter der Kiefer weitergeht.

Steht im Nachbargrundstück ein Baum, dann überlegen Sie, ob Sie in Ihrem Garten einen Baum und Gehölze so pflanzen können, dass sie wie eine Gruppe aussehen. Auch so nimmt man den Garten ausgedehnter wahr. Betrachten Sie niemals Ihren Garten losgelöst von der Nachbarbepflanzung, sondern versuchen Sie die bestehende Bepflanzung der Nachbarn in die eigene zu integrieren.

Bei Anpflanzung benötigt man einen provisorischen Sichtschutz, der dann bei passender Größe der Pflanzen entfernt werden kann. Hier bieten sich Schilfmatten oder Bambuszäune an, die ohnehin nach einiger Zeit unattraktiv aussehen. Sie können auch schnell wachsende Pflanzen setzen wie z.B. Bambus (Fargesien), Flieder, Schmetterlingstrauch, Hartriegel, nur um einige zu nennen. Lassen Sie sich hier in einer Baumschule oder Gartencenter beraten.

Die Gestaltung der Fläche

Einen kleinen Garten sollte man nicht ausschließlich als Rasenfläche mit Randbepflanzung planen, da man ihm das Potenzial zu einem interessanten Garten nimmt und ihn optisch verkleinert.

Ein kleiner Garten lebt von Sichtachsen!

Legen Sie einen schlängelnden Pfad an und sie werden bei jedem Schritt eine neue Perspektive haben. Genauso werden chinesische Gärten angelegt. Der Weg strukturiert den Garten und schafft immer neue Gartenräume. Dadurch wird der Garten in der Wahrnehmung größer und abwechslungsreicher. Apropos Struktur: 


Füllen Sie den Garten mit Pflanzen und er wird größer aussehen!



Nutzen Sie nicht nur die gerade Fläche, sondern strukturieren Sie ihrem Garten durch verschieden hohe Bodenniveaus. Dadurch gewinnt der Garten an Tiefe und bietet die Möglichkeit verschiedener Höhenstaffelungen, ohne zu große Pflanzen einsetzen zu müssen. Außerdem schafft man dadurch Licht- und Schattenzonen, die für Pflanzen mit unterschiedlichen Bedürfnissen einen idealen Standort schaffen. So haben Sie Yin- und Yang-Elemente, die dem Garten Natürlichkeit geben. Praktisch ist es, dass der Aushub für die Anlage von Wegen z.B. direkt dazu benutzt werden kann, um einige Beete ringsum als „Hügel“, dazu reichen schon 20 - 30 cm Höhenunterschied, zu gestalten. 


Hügel und Täler schaffen eine spannungsreiche Gestaltung


Eine andere Methode um den Garten zu strukturieren ist es, einen formalen Garten anzulegen. Schaffen Sie Gartenräume so wie Sie einen Wohnungsgrundriss gestalten würden. Jeder Bereich kann eine andere Funktion beherbergen oder auch stilmäßig anders 


gestaltet werden. Häufig wird diese Gestaltungsart in Gartenratgebern in einer Vielzahl an Varianten gezeigt. Lassen Sie sich davon inspirieren! Beachten Sie aber, dass formale Gärten i.d.R. einen höheren Pflegeaufwand bedeuten und ggf. auch öfter einmal Pflanzen ausgewechselt werden müssen. 

Wasser gehört in jeden chinesischen Garten, man sollte aber in unseren kleinen Gärten darauf verzichten. Die Gründe finden Sie im Thema Wasser im Garten ausführlich beschrieben, denn chinesische Gärten sind nicht an Wohnhäuser gekoppelt, also freier in der Gestaltung.

Welche Pflanzen eigenen sich in einem kleinen Garten?

In kleinen Gärten muss man sehr darauf achten welche Endhöhen Bäume erreichen können. Bevor man einen Baum pflanzt sollte man sich im Klaren sein, dass er mit seiner Krone den halben Garten beschatten wird, sobald er ausgewachsen ist. Also sind kleinwüchsige Sorten mit einer säulenartigen Krone vorzuziehen. Man kann zwar jede Baumkrone einkürzen, wenn sie zu groß wird, aber dabei geht die natürliche Wuchsform des Baumes verloren. Außerdem muss man die örtliche Baumsatzung konsultieren, bevor man einen Baum pflanzt. Abstände mit den Nachbarn müssen eingehalten werden. Große Sträucher sind eine gute Alternative zu Bäumen, da sie formbar sind und jederzeit verjüngt werden können. Außerdem wachsen sie meist schneller als Bäume und sind rasch in Pflanzenstaffelungen formgebend. Das gibt dem Garten sehr schnell einen gewachsenen Eindruck. 


Kleine Pflanzen sollte man immer in Gruppen setzen, das gibt dem Garten Großzügigkeit. Auch eine Beschränkung auf eine gewisses Farbschema hilft, einen harmonischen Garten zu gestalten. Spannung erhält man dadurch, dass man Blatt- und Wuchsformen so auswählt, dass sie gegensätzlich sind. Runde Blätter der Funkie mit den lanzettenförmigen Blättern einer Taglilie sind z.B. gute Partner. Viele Pflanzenshops im Internet bieten Pflanzenpakete mit Pflanzplan an.  

Das ist eine gute Variante, wenn man selbst unsicher ist welche Pflanzen man vergesellschaften kann. Auf jeden Fall sollte man in einem kleinen Garten darauf achten, dass man sich in der Pflanzenvielfalt einschränkt. Lieber mehrere Pflanzen derselben Sorte, als ein Sammelsurium an Einzelexemplaren die dem Garten die Großzügigkeit nehmen. Hüten Sie sich vor Spontankäufen im Gartencenter, weil die Pflanze so hübsch ist. 


Man muss lernen diszipliniert im Einkauf vorzugehen. Nur was zu 100% zum gewählten Stil passt wird eingepflanzt. In der Beschränkung liegt die Kraft des Gartens! Kaufen sie pflanzen erst, wenn Sie einen Pflanzplan erstellt haben und setzen Sie sie alle gleichzeitig ein. Somit vermeiden Sie unschöne Löcher im Bewuchs und können von Anfang an ein Gesamtbild genießen. Sollten Sie einen alten Garten umgestalten und verjüngen, belassen Sie einige große Pflanzen die ins Konzept passen, denn gerade diese Pflanzen werden dem Garten Struktur geben und sie sind den Verhältnissen des Gartens schon bestens angepasst. Eine wichtige Faustregel die Sie beherzigen sollten: Es kommen keine Pflanzen ins Beet, die für Parasiten und Pilzinfektionen anfällig oder empfindlich sind. Geben Sie den Pflanzen den Vorzug, die nicht nur eine schöne Blüte, sondern auch einen attraktiven Wuchs besitzen. Edelrosen z.B. haben einen wunderbaren Duft und tolle Blüten, aber wachsen äußerst selten als schöner Strauch mit gesunden Blättern.


Rasen oder nicht Rasen?


Aus meiner ganz persönlichen Sicht ist eine Rasenfläche in einem kleinen Garten überflüssig. Das aus verschiedenen Gründen. Ein Rasen braucht andauernde Pflege. Er nimmt einem Garten jede Natürlichkeit und reduziert die 


Biodiversität. Das Argument, dass Kinder den Rasen zum spielen brauchen ist in einem kleinen Garten sowieso kaum möglich. Ein Kind kann in einem kleinen naturnahen Garten viel entdecken und experimentieren. Die Neugierde für Natur kann spielerisch erlebt werden.

Der Stil Ihres Gartens

Wichtig für einen harmonischen Garten ist der Stil. Dadurch gewinnt ein Garten an Charakter und sorgt für ein harmonisches Bild. Man darf nicht vergessen, der Garten bildet den Blick aus den Wohnräumen und sollte eine angenehme Kulisse in jeder Jahreszeit darstellen. Gärten können in vielen verschiedenen Stilen angelegt werden, der Stil muss zu einem selbst, dem Wohngebäude und den natürlichen Gegebenheiten am Standort passen. Ein mediterraner Garten wird in einer Bergregion mit sehr kalten und nassen Wintern nicht gedeihen. 


Der Stil ist eine Frage der Disziplin!


Ein Gräsergarten braucht viel Sonne und einen mageren, durchlässigen Boden, Farne genau das Gegenteil. In Büchern und in Schaugärten können Sie sich für ihre eigene Lage und Boden vor der Planung die richtigen Anregungen holen. Was aber bei der Umsetzung jeden Stils wichtig ist: Verzicht! Denn ein stimmiges Konzept erhält man nur im Verzicht von Pflanzen die nicht ins Konzept passen. Als Rosenliebhaber sollte man eher den Cottagegarten bevorzugen als einen asiatischen Garten. Dort sind die Rosen deplaziert und stören das harmonische Gesamtbild.


Der chinesische Garten

Für mich ist ein Garten, der an den Stil chinesischer Gärten angelegt ist eine idealer Ansatz für einen Garten auf einem kleinen Grundstück. Der chinesische Garten dient, anders als die meisten Gärten in Europa, der Kontemplation, der Entspannung und der Naturerfahrung. Er ist ideal um sich zu regenerieren und Kraft zu tanken.

Er soll Harmonie vermitteln und dem Betrachter den Lauf der Jahreszeiten deutlich machen. Chinesische Gärten folgen deshalb nicht nur einem einzigen Plan, sondern einen eigenen für jede Jahreszeit.


Ein Garten zum Kraft tanken!



Im Frühling spielen Blüten und ihre Vergänglichkeit die Hauptrolle: Kirschblüte, Päonien, Aazaleen oder Allium sind Hauptdarsteller und Insektenweide zugleich. Der Sommer ist die Zeit der Grüntöne und Blattformen z.B. Hosta und Farne, während im Herbst Ahorn oder Hartriegel für ein Farbfeuerwerk sorgen. Im Winter kommen dann die Rinden und trockenen Fruchtstände von Gräsern und Stauden zur Geltung. Chinesische Gärten sind neben der harmonischen Pflanzenauswahl durch eine starke Gliederung charakterisiert.

 Es wird bewusst vermieden, den Garten in einem Blick erfassen zu können. Ebenso sind gerade Wege verpönt, dafür werden selbst kurze Wege mit verschiedenen Belägen z.B. in Folge Trittsteine, Holzplanken und Pflaster gegliedert, alles mit dem Ziel den Gang durch den Garten zu einem bewussten Erleben zu machen. Pflanzen verstellen einerseits die Sicht, geben damit aber auch geplante Sichtachsen frei:  Ein Busch vor der Terrasse verdeckt einen Teil des Gartens, aber lenkt den Blick auf einen Ahorn. Erst wenn man den Busch umrundet hat, zeigt sich eine Azaleengruppe auf einer Bodenwelle, wieder einige Schritte weiter bekommt man von einem weiteren Sitzplatz eine neue Perspektive auf den Ahorn, der mit einer vorher nicht sichtbaren Steinplatzierung in Bezug tritt. Diese Gärten sind schon in der Planung eine kleine Herausforderung, werden aber nie langweilig.  Möchten Sie Aspekte des Feng Shui im eigenen


Garten umsetzen, können noch weitere personalisierte Aspekte in die Gestaltung einfließen. Dafür muss man die Ausrichtung des Hauses auf dem Grundstück analysieren. Denn das Haus und der Garten bilden energetisch eine Einheit. Ziel ist es immer das Yin und Yang in Einklang zu bringen. Die Bedürfnisse der Gartenbesitzer fließen in ein stimmiges Konzept ein. So steht der Regeneration im eigenen Garten nichts im Wege!